Mit ChatGPT zur Klageschrift

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Die Digitalisierung bietet Anwältinnen und Anwälten eine Vielzahl an Möglichkeiten, Arbeitsprozesse effizienter zu gestalten. Tools wie ChatGPT revolutionieren dabei insbesondere die Erstellung von Dokumenten. Dieser Artikel zeigt am Beispiel eines Schadenersatzanspruchs aus einem Kaufvertrag, wie ChatGPT in der anwaltlichen Praxis eingesetzt werden kann, um beispielspielweise eine Klageschrift zu erstellen, welche Vorteile es bietet und worauf Sie achten sollten.

Ein typischer Fall: Vertragsbruch aufgrund mangelhafter Ware

Ein Mandant berichtet, dass ein Vertragspartner eine vertraglich vereinbarte Leistung nicht erbracht hat. Es handelt sich um einen Kaufvertrag, bei dem die gelieferte Ware erheblich von der vereinbarten Qualität abweicht. Trotz Aufforderung wurde der Mangel nicht beseitigt. Ziel ist es, eine Klageschrift vorzubereiten, in der der Mandant Schadensersatz fordert.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Nutzung von ChatGPT

Vorbereitung der Informationen

Bevor Sie ChatGPT nutzen, sammeln Sie alle relevanten Informationen:

  • Vertragsdetails: Datum, Parteien, vereinbarte Leistung
  • Korrespondenz: E-Mails oder Briefe, die die Vertragserfüllung betreffen
  • Schäden: Belege für den entstandenen Schaden, wie Rechnungen oder Gutachten

Eingabe einer klaren Anfrage

Formulieren Sie eine präzise Eingabe, z. B.:

„Erstelle eine Klageschrift nach deutschem Recht an das [Platzhalter Gericht] wegen Schadensersatz aus einem Kaufvertrag. Der Kaufvertrag zwischen Kläger (A) und Beklagtem (B) wurde am 01.01.2024 geschlossen. Mangelhafte Ware (Qualitätsstandards wurden verfehlt). Lieferung erfolgte am 15.01.2024, Mangel festgestellt am 16.01.2024. Kläger verlangt Schadensersatz in Höhe von 10.000 €. Bitte mit Anträgen, Sachverhalt, rechtlicher Begründung (Gewährleistung, §§ 433, 434, 437, 280, 281 BGB), Beweismitteln und Streitwert.“

Je besser Ihr Prompt – das heißt, je genauer Sie der KI den Fall schildern – desto besser wird Ihre Klageschrift-Vorlage.

Vorsicht: Achten Sie dabei aber unbedingt auf datenschutzrechtliche Vorgaben. Geben Sie keine personenbezogenen Daten wie Klarnamen, Adressen oder andere datenschutzrechtlich relevante Inhalte an.

Überprüfung und Anpassung

ChatGPT generiert daraufhin eine Struktur, die in der Regel folgende Bestandteile enthält:

  • Parteien und Zuständigkeit: Darstellung der Kläger- und Beklagtenpartei sowie Angabe des zuständigen Gerichts.
  • Sachverhalt: Beschreibung des Vertrags und des Vertragsbruchs
  • Rechtliche Würdigung: Bezugnahme auf die einschlägigen Normen, z. B. §§ 280, 281 BGB
  • Anträge: Konkrete Forderung an das Gericht

Passen Sie den Text an, um ihn sprachlich und inhaltlich zu optimieren.

Finalisierung und Integration in Ihr System

Übertragen Sie die Klageschrift in Ihr Dokumentensystem und fügen Sie weitere rechtliche Details oder spezifische Anforderungen und persönliche Daten hinzu.

Vorteile der Nutzung von ChatGPT

  • Zeitersparnis: Standardisierte Textbausteine werden schnell erstellt, wodurch der manuelle Aufwand reduziert wird.
  • Kosteneffizienz: Routineaufgaben lassen sich automatisieren, sodass Sie Ressourcen für komplexere Aufgaben freihaben.
  • Ideengeber: Das Tool bietet eine solide Ausgangsbasis, die individuell angepasst werden kann.

Risiken und rechtliche Herausforderungen

  • Datenschutz und Vertraulichkeit: Achten Sie darauf, keine personenbezogenen oder vertraulichen Daten direkt in die Eingabemaske einzugeben. Nutzen Sie stattdessen Platzhalter und anonymisierte Angaben.
  • Haftungsfragen: ChatGPT liefert generelle Vorschläge, ist jedoch nicht haftbar für fehlerhafte Inhalte. Die rechtliche Verantwortung bleibt bei Ihnen. Überprüfen Sie alle generierten Inhalte sorgfältig.
  • Ethische und berufsrechtliche Anforderungen: Stellen Sie sicher, dass die Nutzung von ChatGPT mit den berufsrechtlichen Vorgaben wie der Verschwiegenheitspflicht (§ 43a BRAO) und den datenschutzrechtlichen Bestimmungen der DSGVO konform ist.
  • Qualitätskontrolle: ChatGPT basiert auf Trainingsdaten und kann keine individuellen Fälle bewerten. Fachliche Fehler können ebenso auftreten wie ein veralteter Kenntnisstand. Neue Rechtsprechung oder Gesetze werden möglicherweise nicht berücksichtigt. Eine menschliche Prüfung ist daher unverzichtbar.

Chancen mit Vorsicht nutzen

ChatGPT bietet Anwältinnen und Anwälten innovative Möglichkeiten, zeitintensive Aufgaben wie die Erstellung von Klageschriften effizienter zu gestalten. Dennoch sind ein kritischer Umgang und eine sorgfältige Prüfung unerlässlich, um rechtliche und ethische Risiken zu minimieren. Nutzen Sie diese Technologie als Ergänzung zu Ihrer Expertise – nicht als Ersatz.


Uli

Uli

Uli hat Geschichtswissenschaften und englische Sprachwissenschaften studiert. Durch seine Arbeit in einer Anwaltskanzlei ist er 2024 bei der DAHAG gelandet. Im Kanzlei Update schreibt er über aktuelle Trends, Praxistipps und Strategien rund um Marketing und Digitalisierung in der Rechtsbranche.